Pressemitteilungen aus Bad Salzuflen:

Ein Prosit auf 200 Jahre Solebad


Festakt: 1818 wird mit Errichtung einer Badeanstalt der Grundstein für das heutige Staatsbad gelegt. Kurdirektor Stefan Krieger und die Festredner sehen es für die Zukunft als gut aufgestellt an

04/2018 - Bad Salzuflen (Dieter Asbrock). Ob es tatsächlich Ziegen waren, die vor Jahrhunderten im Bereich des heutigen Staatsbades gerne an Steinen leckten und so den Menschen auf die Spur der Sole stießen, ist zwar nicht zu beweisen, aber doch wahrscheinlich. Immerhin mündete der Fund des "weißen Goldes" Generationen später in die Gründung eines "Fürstlichen Solebades". Dessen 200. Geburtstag wurde gestern im Kur-und Stadttheater mit viel Programm gefeiert.

Brigitte Goertz-Meissner, Präsidentin des Deutschen Heilbäder-Verbandes, sah nach Jahren der Krise viel Licht am Horizont. Die Kurbäder hätten sich zu Gesundheitszentren gemausert, die Menschen kämen bewusst, um - privat oder beruflich - etwas für ihre Gesundheit zu tun. Immerhin 30 Prozent aller Übernachtungen in der Republik gingen auf das Konto der Kurorte: "Da sind wir ein Schwergewicht." Gewachsen sei auch das Interesse im Ausland. Dem Staatsbad bescheinigte sie, ein Vorreiter in Sachen Marketing und Schärfung des eigenen Profils zu sein.

Die Familie von Stephan Prinz zur Lippe ist seit Generationen mit der Entwicklung des Staatsbades eng verbunden. Und weil 200 Jahre Solebad eben auch 200 Jahre Familiengeschichte sind, ließ Prinz Stephan die Verdienste seiner Vorfahren für das Werden des heutigen Staatsbades Revue passieren. Um nicht nur historische Fakten wiederzugeben, zitierte er aus den Tagebucheintragungen seines Großvaters Leopold IV., die dieser anlässlich seiner Kuraufenthalte in Bad Salzuflen verfasst hatte. Brunnentrunk, Kurkonzerte, Theater, Flanieren, Dinieren, Feuerwerk im Kurpark, hier und da ein Ausflug zur Jagd: "Es war ein ganz beschaulicher Kuraufenthalt, wie es ihn auch heute noch gibt", stellte er fest.

Bürgermeister Roland Thomas, der auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Heilbäderverbandes NRW am Rednerpult stand, schlug einen großen Bogen von der Entdeckung der Sole zur digitalen Zukunft. Salz sei ursächlich für das Entstehen der Stadt und als "weißes Gold" wichtiges Handelsgut und Wohlstandsbringer gewesen. Heute seien es Gesundheit und produzierendes Gewerbe, die die Stadt prägten. Und als High-Tech-Standort sieht Thomas das Staatsbad mit der Digitalen Gesundheitskarte weit vorn.

Kurdirektor Stefan Krieger sah das Staatsbad gut aufgestellt, wenn es den Wertewandel in der Gesellschaft und die demografischen Veränderungen aufgreift und in zielgruppengerechte Gesundheitsangebote transformiert. Die Tradition als Heilbad basiere auf dem örtlichen Heilmittel Sole und medizinischer Kompetenz. Zusammen mit Bausteinen wie der allergikerfreundlichen Kommune, dem Erlebnisraum Sole und Kneipp oder dem neuen Kurpark werde man Bad Salzuflen dieses Jahr zu einem Heilbäder-Leuchtturm in Deutschland machen, gab sich Krieger selbstbewusst.

Mit Interesse wurde der Vortrag von Dr. Fred Kaspar aufgenommen, der hinter dem "Rundwerden" geschichtlicher Entwicklungen durch Weitererzählen einen doch eher "krummen Verlauf" sah. Wichtige Wendepunkte ließen sich nicht immer runden Jubiläen zuordnen. Zwar sei mit der erfolgreichen Eingabe von Dr. Heinrich Hasse an die Fürstliche Regierung 1818 der Startpunkt für den medizinischen Badebetrieb gelegt worden. Doch die behäbige Bürokratie habe die weitere Entwicklung nicht gerade gefördert. Erst 1894 sei da "die Sonne der Erkenntnis aufgegangen", hätten die Salinendirektoren Sachse und Horstmann die Grundlagen für die Entwicklung des Staatsbades in seiner heutigen Form legen können. "Eigentlich könnten Sie 2019 wieder feiern - ein 125-Jähriges", schmunzelte er.

Mochten die Zuhörer hier noch bei den Spitzen gegen die Bürokratie zustimmend genickt haben, durften sie in dem musikalischen Schauspiel "Salz auf unserer Haut" von Jan Gerth und Stephan Otters auch herzlich mit einem auferstandenen Dr. Heinrich Hasse über Bürokratie einst und jetzt lachen.

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